Lebenserinnerungen.
Ob sich ein alter Urmenschmann im Leben noch erinnern kann,
das ist heute unbekannt. Hat man den Toten schon verbrannt,
beerdigt und im allgemeinen eingelagert unter Steinen?
Der Urmensch kannte keine Rente und hatte keine Argumente,
wenn er alt und müde schwankte, was er dem harten Los verdankte.
Er ist in diesem steten Trende mit vierzig Jahren längst am Ende
und das führt, in der Tendenz, zur eingeschränkten Herzfrequenz.
Er denkt zurück, in seinem Bau, an seine einstmals junge Frau.
Die ist inzwischen auch schon alt, in der schleichenden Gestalt,
hält sich kaum noch auf den Beinen, hat Rheuma und ist oft am weinen.
Er denkt zurück, in seiner Zeit, an manchen harten Ehestreit,
denn man hat sich schon gebissen und manches hin und her gerissen.
Doch Scheidung war an dieser Stelle vorerst nicht das Aktuelle,
weshalb man sich schon einmal schlug und sich danach erneut vertrug.
An Scheidung hat er nie gedacht. Das hat ihm keiner vorgemacht.
So leicht gab es keine Neue und bedingt blieb er der Treue.
Der Urmensch denkt dann noch ein Stück weiter in der Zeit zurück,
als sie noch jung und schmackhaft war, mit langem und sehr dichtem Haar,
als er sie dabei begehrte und sie sich schließlich nicht mehr wehrte.
Sie schaut zum Himmel in die Sterne und erinnert sich noch gerne,
wie es früher einmal war und es wird ihr denkend klar,
das Menschenschicksal ist gemein, es wird nie mehr wie früher sein.
Sie verzieht sich in die Gruft und wickelt sich in ihre Kluft,
weil sie nunmehr sehr verbittert, fröstelt und vor Kälte zittert.
Früher war sie eine Süße, denkt er und hat kalte Füße.
Den kühlen Kopf, wie es so ist, den hat er früher oft vermisst,
obwohl der doch sehr nützlich war, im Angesicht von der Gefahr.
Er hat dabei zurückgedacht, an manche blutrünstige Schlacht,
mit großem Weh und Schimpf und Schande, mit der Menschenfresserbande.
Den Orden gab es hierbei nicht. Das Leben hatte mehr Gewicht,
weshalb man diesbezüglich so rechtzeitig vor dem Unheil floh.
Heute kann er nicht mehr laufen und er tut sich die Haare raufen.
Doch Haare hat er nicht mehr viel. Der kahle Schädel kommt ins Spiel.
Der Urmensch will kein Abenteuer und verzieht sich an das Feuer,
wo schon die Alte ganz verschmitzt wartend auf den Alten sitzt.
Am Feuer rücken sie zusammen, um die Kälte zu verdammen.
H. Feisel