Urig.
Urig war der Urmensch immer
und er hatte keinen Schimmer
in seinem Hunger, in der Not,
von Wurst und Butter und vom Brot,
als er mühsam, lebenslang
den gröbsten Fraß hinunter schlang,
den er auf dem kargenLand
in irgend einer Weise fand.
Mühsam hat er sich ernährt,
solang es mit dem Leben währt,
solang er sich am leben hielt.
Wenn er mit dem Gedanken spielt,
wie er sich wohl irgendwann
sein Dasein selbst erleichtern kann,
dann fällt ihm dazu allgemein
zunächst nur allzu wenig ein.
Die Karriere war ihm fremd.
Er gab noch nicht sein letztes Hemd,
weil er bei seinem rohen Fraß
auch noch längst kein Hemd besaß.
Das heißt der Urmensch war noch nackt
und noch nicht modern verpackt,
vermisste dabei in der Pose
nicht einmal die Unterhose.
Er lief umher mit nackten Beinen.
Einen Hut trug er noch keinen.
Schuhe hat er nicht gekannt
und barfuß ist er fortgerannt,
wenn er schleunigst auf der Flucht
vor irgend was das Weite sucht,
vielleicht auch nur im Zeitvertreib
vor seinem angestammten Weib.
Mühsam und mit vielen Schritten,
läuft er urig und inmitten
seiner Sippe und am Ort
immer wieder langsam fort.
Sein Fortschritt ist noch stark gehemmt,
seine Laute arg verklemmt
und seine Sprache, die schlecht geht,
die eigentlich kein Mensch versteht,
nur ein einziges Dilemma.
Das Urmenschweib hieß noch nicht Emma,
glich noch nicht im großen ganzen
den aufgeklärteren Emanzen,
wusste, nackt und ohne Kleidung,
auch sehr wenig von der Scheidung.
Die Scheidung, wenn sie sich ergab,
erfolgte dabei erst am Grab.
Die Erbschaft fiel sehr dürftig aus.
Kein Kapital, kein großes Haus,
war im Testament beschrieben.
Der Grundbesitz ist nur geblieben,
als die Wildnis an der Stätte,
die heute keiner gerne hätte.
Urig war das ganze Leben,
urig aller Spaß daneben,
urtümlich in dem Reflex,
als der grobe, rohe Sex,
den der Urmensch ungeniert
öffentlich so praktiziert,
weil es halt so üblich war,
wie heute bei dem Pornostar,
der sich offiziell erneut
in plumper Weise auch nicht scheut.
Doch sei dem Urmensch unterstellt,
in seiner einstmals groben Welt,
dass er, das scheint ziemlich klar,
in der Art noch nicht käuflich war,
als er in dem Paarungsakt,
noch nicht nach den Scheinen packt.
H. Feisel