3. Der Urmensch
(Gewohnheit und Sexualverhalten in der Ur - Menschensippe).
Der Urmensch hat bald überall, erblich bedingten Haarausfall. Sei es dass er die Haare raufte, oder Pelz als Luxus kaufte; sei's dass die Sonne ihn verbrannte, wenn er keinen Schatten kannte. Er hat den Tierpelz sich geliehen, wodurch die Tiere vor ihm fliehen. Der Urmensch, als das Meisterstück, brachte keinen Pelz zurück, weshalb die Tierwelt, die beraubte, ans eigne Wohl nicht lange glaubte. Er bringt die Viecher nun auf Trab und zieht dem Vieh die Felle ab. Er wickelt sich in deren Felle und überlebt dank Feuerstelle; schmückt sich mit Zähnen und mit Knochen und hat sich mit dem Wolf berochen. Und mit dem Wolf schließt er den Bund und macht den Wolf zu seinem Hund. Die können nun bezüglich Magen, gemeinsam miteinander jagen.
Er hantiert mit Speer und Keulen und tut mit den Wölfen heulen. Der Urmensch spricht mit vollem Mund, zu seinem Bello, seinem Hund. Er ist um seinen Hund besorgt und hat das Tier nicht gern verborgt. Tut lieber altes Weib verschenken und dabei an die Neue denken. Ein neues Weib ist schnell geraubt, vom urmenschlichen Oberhaupt und genau so schnell gezähmt; in Rückenlage wie gelähmt. Doch ein zahmer Wolf ist selten. Der kann fette Beute melden. Auch ist der Urmensch bald ein Treiber. Er jagt und sammelt viele Weiber, ist während er den Sex bestreitet, insofern wenig zart besaitet. Er macht kein langes Federlesen und zärtlich ist er nie gewesen.
Weiber kriegt er viel zu fassen, die müssen alle Federn lassen. Die treibt er vor sich in die Enge, die ähneln nach dem Handgemenge, tief geknickt am Boden nun, meistens dem gerupften Huhn. Für Zärtlichkeit ist in der Tat, ein Urmensch viel zu rabiat und ist in dem Spiel allgemein, nicht sensibel und nicht fein. Der Urmensch folgt in Sex und Liebe, dem urtümlichsten aller Triebe. Der Urmensch hat nie lang gefackelt, wenn eine
mit dem Hintern wackelt. Er stürzte sich aufs Lustobjekt und hat viel Frust damit bezweckt. Er hüpfte, wo es sich empfohl, spontan und aufs Geratewohl. Der wahllos wilde Kindersegen, tat die Gemüter kaum erregen. Der Durchblick tat sich schnell verlieren. Man tat sie kaum einmal sortieren. Man tat auch über viel Allüren, nicht ansatzweise Bücher führen.
Auch biss er sich mit seinem Weibe, im Unterschlupf, in ihrer Bleibe. Sein altes Weib blieb unter Zwängen und ließ sich ungern dort verdrängen, tat häufig knurren und laut kreischen und tat keinen Zollbreit weichen. Die Alte lag ihm schwer im Magen, die ließ sich nur sehr schwer ertragen. Die Junge, die er lieber hat, die ist er noch lang nicht satt. Die Alte ist nur schwer verdaulich, die Junge aber mehr erbaulich. Die Alte protestiert sehr laut, gegen seine neue Braut. Doch der Protest, der häufig stört, wird wenn möglich überhört. Der Urmensch an der Feuerstelle, kriecht mit der Jungen unters Felle. Zog sich das Fell über die Ohren, hat in der Weise nicht gefroren. Die Alte, hofft er, wird sehr bald, ganz von selber steif und kalt.
Der Urmensch fraß auch Seinesgleichen, doch nicht die alten Weiberleichen. Der Feind von fremden Menschensippen, war delikat bis auf die Rippen, war Festtagsschmaus und als Menü, Hauptbestandteil in der Brüh. Ein junger Urmensch tat stets schmecken. Der Menschenfresser tat sich lecken. Ein alter Feind hat zäh gerochen und bestand aus Haut und Knochen. Den fraß man ohne Futterneid, als Schmalkost in der Fastenzeit. Der Wolfshund hat dabei die Knochen, lang beschnuppert und berochen. So hat der Urmensch auch indessen, im wesentlichen ausgefressen, was ihm die Natur einbrockte, solange er am Boden hockte.
Heinrich Feisel