Sonntag, 22. märz 2009 7 22 /03 /2009 14:39

Der Fetisch.

Der Urmensch dreht am alten Knochen, hat ihn beschnuppert und berochen;

hält den Knochen in der Hand, den er vom Ur-Urmenschen fand.

Ein solcher Knochen ist recht fein und stammt von einem krummen Bein,

auf dem die Ahnen, die sich regten, sich einst mühsam fortbewegten.

Der Urahne hat stark gelitten. Der Urmensch ist schon fortgeschritten, hat sich gerade aufgerichtet und auf gebückten Gang verzichtet,

und ist auf dieser Erde hier, ein Jäger statt ein Beutetier, der sich, mittels Jagd und Fährte, liebend gern mit Fleisch ernährte.

So sorgt der Urmensch für den Bauch und erfindet manchen Brauch,

wendet sich dann ab und zu, dem Orakelknochen zu; damit ihm dieser Hilfe bringt, was leider jedoch nie gelingt. Doch tut die Absicht überragen den alten Knochen zu befragen.

Der Knochen, der als Fetisch prunkt, bleibt beim Brauch im Mittelpunkt,

wird verziert und hoch gehalten und muss seines Amtes walten,

als, wie es das Brauchtum lehrt, ein großer Gott, den man verehrt.

Dieser Gott soll Hilfe bringen; doch das kann nur schlecht gelingen.

Der Urmensch schafft sich Kult und Tanz, sucht in Gesellschaft Resonanz,

wobei, wie es halt geschieht, er sich gern geachtet sieht,

bei Kult und Tanz und Lebensfreude, im Tumult der großen Meute.

Der Urmensch sammelt, hortet an, was er immer besser kann.

Er tut sich dabei lustvoll regen; erfreut sich an dem Kindersegen,

vergrößert dabei seine Rotte und schafft sein Heim als Felsengrotte.

Die Idee hat sich gelohnt. In der Höhle, wo er wohnt,

findet er in seiner Zeit, Wärme und Geborgenheit.

Es bleibt auch nicht beim alten Trotte. Er schleppt bald Feuer in die Grotte, hat dabei Licht und weiß nicht wie, Zentralheizung und Energie, zentral und mitten in dem Kreis, was man sehr zu schätzen weiß, weil das Fleisch, das ist doch klar, im Feuer bald ein Braten war.

Weshalb man von dem Feuer schwärmt und sich am Feuer gern erwärmt

und; es wäre doch gelacht, schon bald die Nacht zum Tage macht.

Während die Natur nachts ruht, macht sich der Urmensch dabei Mut,

indem er vorher viel bezweckt und den Alkohol entdeckt.

von Heinrich Feisel

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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