Montag, 13. april 2009 1 13 /04 /2009 09:39

Kalte Füße.

 

Die Urzeit ist noch ziemlich rau und der Urmensch sucht den Bau,

wenn es in der Winterzeit, in der Landschaft friert und schneit,

wenn er in dem Frost erbittert, an dem ganzen Körper zittert,

bis hinunter zu den Waden. Ein kühler Kopf kann zwar nicht schaden,

doch die Nase und die Ohren sind in der Kälte schnell erfroren,

wenn er sich dabei nicht schützt, wozu ein Pelz im Winter nützt.

 

Ein strenger Winter ist gemein. Der Urmensch wickelt sich nun ein,

von Kopf bis Fuß, an jeder Stelle, und er vermummt sich mit dem Felle.

Der Urmensch hat genau genommen, kalte Füße auch bekommen,

wenn er oft auf Schritt und Tritt, unter kalten Füßen litt,

weshalb er immer schneller rennt, weil er noch keine Schuhe kennt,

die er, lautet hier der Schluss, aus diesem Grund erfinden muss.

 

Der Urmensch findet keine Ruh, hat kalte Füße ohne Schuh,

grübelt wie er an der Stätte, nicht so kalte Füße hätte,

tut sich mit kalten Füßen schwer und trampelt immer hin und her,

während er sich so bewegt und ständig weiter überlegt.

Vom dichten Pelz gewinnt er Socken. Die bleiben zwar nicht immer trocken,

doch steht der Fortschritt immerhin ganz zu Anfang am Beginn.

 

Der Pelz besteht, das weiß ein jeder, einerseits bedingt aus Leder,

weshalb der Pelz ganz innen liegt, der sich um die Füße schmiegt

und das Leder stellt dazu nach außen hin den festen Schuh.

Er hat in dem Sinn, wie es geht, den Pelz nach innen umgedreht.

Die Sohlen kann er noch erfinden und samt Absatz drunter binden.

Der Urmensch hat den Schuh vollbracht. Die Sohle ist aus Holz gemacht.

 

Die Urmenschdame hat dazu jedoch noch keine Stöckelschuh

und sie schreitet im Geschehen damals noch nicht auf den Zehen.

Sie weiß noch nichts von dieser List, macht sich nicht größer als sie ist,

muss sich, das darf man erzählen, auch noch nicht im Rückgrat quälen,

im jungen Leben und beizeiten, um im Alltag fort zu schreiten.

Der Urweltschuh, in breiten Größen, diente nicht dem Graziösen.

 

Die Frau von Welt, die graziöse, würde heute ziemlich böse,

wenn sie, samt Dekollete und Brüste, mit diesem Schuhwerk laufen müsste,

womöglich durch die Innenstadt, wo jeder was zu gucken hat,

oder auf dem Laufsteg munter, hin und her und rauf und runter.

Die elegante Frau, die süße, bekäme hierbei kalte Füße,

weshalb sie sich dazu kaum traut, weil jeder auf die Füße schaut.

H. Feisel

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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