Sonntag, 10. mai 2009 7 10 /05 /2009 20:26

Lebensart.

 

Der Urmensch war nicht fein und zart, in seiner ganzen Lebensart,

sondern eher grob und rau, auch im Umgang mit der Frau.

Das Urmenschweibchen das sich regte, das sich noch nicht zu schminken pflegte,

nahm es noch nicht so genau wie die herausgeputzte Frau,

die sich heute präsentiert und sich von Kopf bis Fuß verziert.

Sie trug noch keinen Nasenring, wenn sie ständig barfuss ging,

auch trug sie hierbei jedenfalls noch keine Kette um den Hals.

Das Urmenschweib tat Beeren naschen und war meistens ungewaschen,

die Finger waren voller Harz, die Fingernägel waren schwarz,

nicht grün, nicht rot, nicht gelb, nicht blau und die Hände waren rau.

 

Die rauen Hände waren hier so ähnlich wie das Schleifpapier,

wenn sie dem Urmann, der agiert, das Kreuz im Rückgrat durchmassiert.

Drum tat die dicke Haut auf Erden durch raue Hände dünner werden.

Kosmetik war dem Weib genehm. Den Kopf verschmierte sie mit Lehm.

Die Nägel musste sie nicht stutzen, die tat sie zum buddeln nutzen,

die waren häufig abgenutzt. Ihr Haar das hat sie nicht gestutzt

und den Busen nicht gestrafft. Der Urmensch hat noch nicht gegafft

in seiner sexuellen Lust, zum Silikon der großen Brust

und zeugte jedes Jahr geschwind, nach Möglichkeit ein neues Kind,

was sein Weib in Anspruch nahm, die selten zur Besinnung kam.

 

Die Sippe tat sich fortbewegen in ihrem reichen Kindersegen,

doch man hatte, wie man weiß, dabei meistens viel Verschleiß.

Der Urmann rannte manchmal schnell, hatte wohl ein dickes Fell,

doch manchmal war er schnell im Tab und entging nur knapp dem Grab.

War er aber alt und schlapp, dann war sein Vorsprung viel zu knapp,

dann war er schicksalhaft am Ende und ohne Glück in seiner Wende,

wenn er Haken schlägt und wendet und doch nur wie ein Hase endet.

Es lief der Urmensch immerzu ohne irgend einen Schuh,

war noch kein Pantoffelheld und wusste nichts vom großen Geld,

das die feinen Herren machen, nicht selten mittels krummer Sachen.

 

Er war noch nicht genügend zart für die feine Lebensart,

war noch nicht genügend schlau und wusste auch noch nichts vom Bau,

wenn tief in seinem Kern verletzt, der Mensch sich unfreiwillig setzt

und sich gekränkt, in viel Verdruss, ortsgebunden setzen muss.

Der Urmensch war in seinen Stunden noch nicht derart ortsgebunden

und zog immer kreuz und quer hinter seiner Beute her.

Wer sitzt hat ganz umsonst gefuttert und dazu wird er bemuttert.

Der Urmensch aber musste schwitzen und konnte noch nicht einfach sitzen.

Sesshaft war er daher nicht und die Lebensart war schlicht.

Er musste jagen und viel sammeln und konnte nicht die Zeit vergammeln.

 

Doch der Urmensch jagt noch heute hinter seiner fetten Beute

und es sammelt mancher Mann im Urtrieb was er sammeln kann.

Der Urmensch wird heut nicht mehr satt, was immer er gesammelt hat,

das macht ihn längst noch nicht zufrieden und er muss neue Pläne schmieden.

Es jagt der Urmensch, in dem Ziel, still und heimlich und zu viel.

Heimlich pirscht sich mancher Mann an die leichte Beute an,

als der große Nimmersatt und was er kriegt das macht er platt.

Er sammelt das was er begehrt und hofft es bleibt ihm nichts verwehrt.

Der Urmensch tat somit auf Erden schließlich einmal sesshaft werden

und manchmal sitzt er ohne Frau alleingelassen in dem Bau.

 

Der Urmensch ist an vielen Orten äußerlich sehr fein geworden,

doch blieb er innen, das scheint klar, das was ein plumper Rohling war.

Er blieb im niederträchtigen Verlangen im rohen Naturell verfangen.

Er ist, in feiner Lebensart, wenn er viel zusammen schart,

in unersättlicher Begierde womöglich eine Augenzierde,

doch sensibel ist er nicht und psychisch ist er ziemlich schlicht.

Aus dem Ur Kult schafft er nur zweckgebunden die Kult Ur,

in der er, was er auch betreibt, nur der alte Urmensch bleibt.

Die Lebensart hat sich gewandelt, doch nicht wenn er im Urtrieb handelt,

wenn er im urtümlichen Trieb unter jedem Raubtier blieb.

 

H. Feisel

 

 

 

 

 

 

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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