Sonntag, 28. juni 2009 7 28 /06 /2009 19:53

Lebensecht.

 

In einer ausweglosen Zeit war der Urmensch hilfsbereit

und auf Hilfe angewiesen. Viel Wohlstand tat er nicht genießen,

in einer wahrhaft kargen Welt und es bleibt dahin gestellt,

ob er bei sehr viel Gefahr im Leben allzu glücklich war.

Er tat der Sippe wohl am meisten immer wieder Hilfe leisten

und nach Speer und Keule fassen. Auch musste er sich helfen lassen,

in auswegloser tiefer Not, wenn ihn die Gefahr bedroht,

damit er weiterhin besteht und nicht kläglich untergeht.

 

Die aus einer Sippe stammen hielten immer gut zusammen.

Der Urmensch war noch lebensecht. Ohne Sippe ging’s im schlecht,

wenn er hilflos manche Zeit aussichtslos nach Hilfe schreit.

Der Urmensch tat sich nicht verstellen, tat noch keine Leute prellen,

wusste noch nichts von Betrug und was er hatte war genug.

Er wollte noch nicht ständig glänzen und seine Macht dabei ergänzen.

War er satt, war er zufrieden, dann hat er jeden Stress vermieden,

im Gegensatz, an seiner Statt, zum modernen Nimmersatt.

 

Und ging es ihm auch ziemlich schlecht, er war als solcher lebensecht;

gab sich im Alltag allgemein noch nicht vornehm und sehr fein,

war noch nicht künstlich aufgeblasen und noch nicht in Übermaßen,

von seinem Hochmut überzeugt, wenn er sich in Demut beugt.

Er fühlte sich noch nicht als Größe, denn er sah noch seine Blöße,

sah noch diesbezüglich klar, dass er nur vergänglich war.

Doch der große dumme Tor von heute kommt sich wichtig vor,

indem er seinen Tod verdrängt und nutzlos an Materie hängt.

 

Der Urmensch sah sich öfters bluten und es war ihm zuzumuten,

dass er sich mehr als genug, mit Mühe durch das Leben schlug.

Der Mann von Welt tut sich indessen schon beim Nasenbluten stressen,

aus Sorge um das Wohlbefinden. Er ist ein Meister im Erfinden

seiner künstlichen Gefühle, in dem städtischen Gewühle,

wo er, künstlich hochgezüchtet, in sterile Räume flüchtet.

Dort hat er listig und durchtrieben seine Vollmacht unterschrieben,

tut seine volle Macht gestalten und natürlich schlecht verwalten.

 

Der Schreibtischtäter ist nicht echt, sondern psychisch eher schlecht.

Er spricht künstlich im Gewissen nur von den Erfordernissen

und er fordert und er nimmt, nach Möglichkeit was er bestimmt.

H. Feisel

 

 

 

 

 

 

 

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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