Sonntag, 5. juli 2009 7 05 /07 /2009 15:27

Lebenselixier.

 

Auf der alten Erde hier spricht man vom Lebenselixier.

Mancher Mensch der ist todkrank und wird trotzdem, Gott sei Dank,

auch bei einer schlimmen Wunde, nach mancher schmerzgeplagten Stunde,

schließlich wieder kerngesund. Er nahm Arznei in seinen Mund,

oder aber häufig wieder auf die Haut und seine Glieder.

Die Wunde heilt durch Medizin. Vor Schmerzen hat der Mensch geschrieen

und gestöhnt aus seinem Munde, angesichts der letzten Stunde,

die ihm schon zu schlagen scheint, wie er vorschnell dabei meint.

 

Das hat der Urmensch schon gekannt. Am Feuer hat er sich verbrannt

und einen Schmerzenslaut gesprochen. Das Bein hat er sich auch gebrochen,

auch den Arm und das Genick, im allergrößten Missgeschick.

Beim Genickbruch war er raus, dann war es mit dem Leben aus,

dann half ihm auch, bei viel Geschrei, nicht Medizin und nicht Arznei.

Der Urmensch zieht sich auch im Nu manchmal eine Wunde zu,

wenn er sich allzu sehr beeilt. Die ist nach Möglichkeit geheilt,

durch beschwörende Reflexe und auch durch die Kräuterhexe.

 

War der Urmensch im Geschehen als Oberhaupt hoch angesehen

und dabei auch noch sterbenskrank, dann half nur noch ein starker Trank,

eingeflößt in seinem Munde, durch die alte Kräuterkunde.

Stirbt er oder stirbt er nicht? Das zeigt sich danach am Gesicht,

wenn der kranke Urmensch schluckt und lebhaft alles von sich spuckt.

Will ihm dabei, ums Verrecken, das bitterböse Zeug nicht schmecken,

dann hat er schimpfend ungelogen ausgespuckt im großen Bogen.

Das weckt seine Lebensgeister. Der Heiler fühlt sich nun als Meister.

 

Der heilt weiter meisterhaft mit Hilfe seiner Zauberkraft,

flößt Bitterkraut auf kranke Zungen, dann sind viel Kranke aufgesprungen.

Bleibt ein kranker Urmensch liegen, dann tut die Krankheit überwiegen,

dann streckt er machtlos seine Glieder, dann legt er sich zum Sterben nieder.

Auch hilft dem altersschwachen Leib noch nicht einmal ein junges Weib,

das den Lebensgeist erweckte, der noch in manchem Manne steckte.

Doch ist der Urmensch schwach und alt dann lässt ihn auch die Junge kalt,

dann nützt an dieser Stelle hier auch kein Lebenselixier.

 

H. Feisel

 

 

 

 

 

 

 

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen
Zurück zur Hauptseite

Über diesen Blog

Profil

  • : Heinrich Feisel
  • Blog von Heinrich Feisel
  • : männlich
  • : 5.08.1950
  • : Europa Germany Hessen Wetter Marburg
  • : Schreiberling Nicht Profitsüchtig Überzeugt
  • : Da es für einen unbekannten Möchte-Gern-Autor, ohne finanzielle Risiken, unmöglich ist im Buchmarkt einzusteigen, im Gegensatz zur leicht zu vermarktenden Prominenz, versuche ich mein Bestes auf diesen Wegen zu geben, uneigennützig gewisser weise

Urmensch

Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden - Articles les plus commentés