Sonntag, 26. juli 2009 7 26 /07 /2009 11:06

Lebenserfahrung.

 

Es schreitet mühsam mit Beschwerde, der Urmensch auf der alten Erde,

barfuss und auf leisen Sohlen. Er blickt sich um, und zwar verstohlen,

ob hinter ihm kein Raubtier schleicht, bis er seinen Bau erreicht,

in den sich auch ein zäher Mann zur Sicherheit verkriechen kann.

Sein Bau besteht aus einer Grotte. Dort lebt er sicher mit der Rotte,

die man später Sippe nennt, solang er nicht ums Leben rennt.

Die Erfahrung in der Krise, die er macht, das ist wohl diese,

dass ein Eigenheim sehr nützt, weil es durch die Wände schützt.

 

Sein Eigenheim ist sehr massiv, unterkellert reicht es tief

hinunter wo man sicher lebt und wo man nach der Ruhe strebt.

Den Notausgang, nach altem Brauch, gibt es in der Höhle auch,

falls es einmal brenzlig wird und sich ein Bär dahin verirrt.

Doch in der Höhle ist es dunkel, in dem nächtlichen Gemunkel,

in dem man dicht zusammen rückte und jedes mal die Daumen drückte.

Auch ist es hin und wieder kalt. Bald flackert in dem Felsenspalt

im Versuch das Lagerfeuer und das ist keinem Tier geheuer.

 

Der Urmensch, und so soll es sein, zieht sesshaft in die Höhle ein.

Das Feuer macht an dieser Stelle den Wohnraum standardmäßig helle

und wärmt zudem immer wieder die steifen und die kalten Glieder.

Das Feuer tut er kennen lernen, das tat er erst vom Brand entfernen

und nahm den Funken mit ins Heim. Er macht sich darauf seinen Reim,

weil er ständig mit Verdruss an dem Funken blasen muss.

Geht der Funken einmal aus, dann wird es kalt in seinem Haus.

Er will selber Feuer machen und probiert mit manchen Sachen.

 

Wie kann er selbst den Funken zünden? Plötzlich tut er laut verkünden,

dass er nur aus eigner Kraft den Funken mit dem Werkzeug schafft,

mit Feuerstein, mit Holz und Moos, mit Rinde legt er richtig los.

Er bläst und imitiert den Wind und das Feuer kommt geschwind.

Die Erfahrung die er macht hat ihm die Sicherheit gebracht,

die Wärme und Geborgenheit, und den Fortschritt in der Zeit.

Die Sippe tut das Futter garen, weil sie nun fortgeschritten waren.

Die Lebenserfahrung die lehrt, dass der Urmensch mehr begehrt.

 

Er erfindet scharfe Klingen die ihm aus dem Stein gelingen

und er tüftelt hinterher mittels Stock an einem Speer.

Auch macht er aus einem Keil einen Hammer und ein Beil.

Die Erfahrung in dem Leben hilft in dem bewussten Streben.

 

H. Feisel

 

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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