Lebenslauf / Urmenschliches.
Wer wächst, in seinem Lebenslauf, ohne eine Schule auf
und weiß nichts vom Einmaleins? Worte lesen kann er keins
und er schafft kein Abitur, innerhalb von der Natur,
in der er sich befinden muss. Der Urmensch fasst nicht den Beschluss,
dass er in die Schule geht, weil kein Lehrer drauf besteht,
dass er in der Schule lernt. Der Urmensch hat noch nicht entfernt
an die Schule je gedacht und Hausaufgaben nie gemacht,
denn es hat, in seinem Leben, erstens noch kein Haus gegeben
und zweitens liegt ihm auch noch gern derartig die Begabung fern,
die Aufgaben, in dem Geschehen, vielfältig im Kopf zu sehen.
Darum muss er, auf Betreiben, keinen Lebenslauf beschreiben
und in der Urzeit braucht er hier weder Schreibstift noch Papier.
Der Lebenslauf bleibt unbeschrieben und darum kann er, nach Belieben,
ohne Stressviel sitzen bleiben, ohne Lesen, ohne Schreiben.
Er kann hingegen Fährten lesen. Im Naturell, in seinem Wesen,
bleibt er, in der speziellen Sicht, in seiner Weltanschauung schlicht,
denn er schaut ja immer nur auf den Rhythmus der Natur.
Er sieht, bei der Gelegenheit, den Wechsel in der Jahreszeit
und er weiß, bei Tag und Nacht, was er notgedrungen macht
und in der Not notwendig tut, ohne sehr viel Übermut.
Die Geburt ist, so gesehen, zwar im Lebenslauf geschehen,
doch schreibt man sicher, im Verlauf, Tag und Monat gar nicht auf
und auch keine Jahreszahl. Er hackt vielleicht am Totempfahl,
um sich einen Gott zu machen. Der Ur-Kult ist, in vielen Sachen,
schon mit der Kult-Ur verwandt und mit dem gewissen Stand,
indem er sich ein Standbild schafft. Von dem erhofft er sich die Kraft,
die hoffnungslos abhanden bleibt, wenn er „Nichts“ im Sinn betreibt.
Der Urmensch kann, auf weiten Strecken, im Lebenslauf nicht viel bezwecken,
wenn sich all sein Unglück häuft und wenn er um sein Leben läuft.
Er ist im Lebenslauf bestrebt, dass er laufend überlebt.
Der Lebenslauf bringt ihm das Weib und damit auch den Zeitvertreib,
mittels Weib und Kindersegen. Er muss sich nun noch mehr bewegen,
in vieler Hinsicht, wie es scheint, wie er ab dem Zeitpunkt meint.
Langeweile, aus der Sicht, kennt man beim Kinderkriegen nicht.
Dieselben müssen dann, auf Erden, mit irgendwas gefüttert werden.
Das ist die urmenschliche Pflicht. Die faule Haut die nützt da nicht,
angesichts vom Kindersegen. Der Urmensch muss sich viel bewegen,
um den Nachwuchs, heut und morgen, mit Lebensmitteln zu versorgen.
Der Lebenslauf geschieht alltäglich und er endet einmal kläglich,
wenn der Urmensch „Nichts“ beschreibt und nicht mehr am leben bleibt.
H. Feisel