Dienstag, 13. oktober 2009 2 13 /10 /2009 17:42

Reingefallen.

 

Der Urmensch hat als Oberhaupt sich ein junges Weib geraubt,

das ihm in die Falle ging und zunächst nicht an ihm hing.

Er baute sich an diesem Fleck eine Grube zu dem Zweck,

kratzte sich ein tiefes Loch, aus dem er nur mit Mühe kroch,

mittels Stangen und Lianen und das lässt eine Falle ahnen.

Beim Selbstversuch gefiel das allen, denn er ist selber reingefallen.

 

Die Grube hat er dann getarnt und gut versteckt, was keinen warnt,

mit dünnen Ästen und mit Laub und dann macht er sich aus dem Staub.

Die Falle ist damit entdeckt und das was in der Falle steckt

bringt ihm erst das Weib im Leben und den Wohlstand noch daneben.

Sein erster Fang war nicht sehr gut, das Stinktier war nicht auf der Hut,

weshalb er, vor Gestank fast krank, lange wie ein Iltis stank.

 

Die Grube macht er schnell intakt und es folgt der nächste Akt

und er fängt zum Zeitvertreib versehendlich ein Kräuterweib.

Die ist alt und eingeknickt, weshalb er sie nach Hause schickt.

Drei junge Weibchen sieht er kommen. Die haben sich was vorgenommen,

sammeln Beeren, tun sich laben und tun nach den Knollen graben.

Eine verschwindet von den drei, mit einem lauten, grellen Schrei.

 

Die zwei anderen sind fort und flohen schnell von diesem Ort.

Die dritte die ist reingefallen. Das Urmenschweibchen zeigt die Krallen,

hat ihm in die Hand gebissen und sich von ihm losgerissen,

als er sie im Paarungsakt von hinten mit den Pranken packt.

Der Urmensch schnaubt und ist am toben. Die Paarung ist damit verschoben

und er hat sich umsonst geplagt, als er den Versuch beklagt.

 

Den Versuch hat er erneut wenig später nicht gescheut

und sie ist bei dem Bestreben schließlich willig und ergeben,

zumal ein Wildschwein, das er brachte, sie danach gefügig machte.

Wer gut versorgt ist der ist willig, der Lebensstandart ist nicht billig

und die Erfindung, die er machte, die den Wohlstand mit sich brachte,

hat das Weibchen überzeugt, das sich nicht mehr krümmt und beugt.

 

Reingefallen ist er später. Es kam ein junger Übeltäter,

im hohen Gras und in dem Dreh mit seinem Weib auf die Idee,

ihn mit der Grube, Laub und Stangen, tief in seinem Grab zu fangen.

Vergeblich war sein ganzes Flehen, man hat ihn niemals mehr gesehen

und das neue Oberhaupt hat das Weib von ihm geraubt.

Die beiden werden auch noch alt und beim nächsten Reinfall kalt.

 

H. Feisel

 

 

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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