Samstag, 19. dezember 2009 6 19 /12 /2009 09:42

Session.

 

Tut der Urmensch sesshaft werden,

dann sitzt er, bei viel Beschwerden,

grübelnd an dem Lagerfeuer.

Sein Gedanke ist ein neuer,

denn er will nicht, sozusagen,

ständig mühsam weiter jagen,

sondern gerne, hier auf Erden,

schließlich einmal sesshaft werden.

Darum bleibt er am Boden sitzen.

Er konzentriert sich auf die Zitzen

der bekannten wilden Ziegen

und versucht ein Vieh zu kriegen,

das er vielleicht, irgendwann,

mit den Händen melken kann.

Die Ziege muss er lebend fangen,

sonst wär das Melken nicht gegangen.

Vielleicht war es auch gar kein Mann

der den genialen Trick ersann,

wie man mühelos und prompt

zu dem Ziegenkäse kommt,

aus der Milch der Mutterziege.

Der Urmensch bastelt an der Liege

die er nun als ganzer Mann

in der Zeit erfinden kann,

zwecks der sesshaften Gestaltung,

nebst auch reichlich Unterhaltung.

Der Urmensch liegt oft auf der Liege.

Der Säugling schaukelt in der Wiege.

 

Zum Schreiben fehlt ihm noch der Stift.

Was die Beratschlagung betrifft,

da ist der Urmensch schon recht lange

in der Sitzung fest zugange,

in der, im großen Redefleiß,

jeder alles besser weiß.

Der Urmensch fühlt sich nun gewitzt,

als er oft beim Palaver sitzt

und das Palaver nimmt kein Ende,

in dem Alltag nach der Wende,

nachdem er nicht nur jagen muss.

Nun streitet man sich im Beschluss

wie man den Fortschritt, dann und wann,

irgendwie verbessern kann.

Der Milchfluss der ist eingeleitet

und was keiner mehr bestreitet,

das ist der Vorteil, den man sieht,

obwohl der Nachteil auch geschieht.

Die Gattin muss die Ziegen melken.

Das Gras tut in der Sonne welken,

nur muss es leider, trotz Beschwerden,

gewendet und geborgen werden.

Weil der Hirte so im Land

aus dem Jäger einst entstand,

kann der Ackerbauer werden

und wachsen tun die Ziegenherden,

auch wenn der Bock im Übermut

weithin ziemlich stinken tut.

 

Sesshaft hat der Mensch gesessen

und vom Hab und Gut gegessen,

das er sich zu eigen machte,

als er es zum Wohlstand brachte.

Der Sessel muss danach auf Erden

in diesem Sinn erfunden werden

und der Vorsitz, in der Tat,

beim Palaver in dem Rat,

hat der Häuptling ganz bestimmt,

von dem man manches Wort vernimmt.

Einer muss wohl kommandieren,

denn er tut sich selbst genieren,

angesichts bestimmter Sachen,

schwere Handarbeit zu machen.

Der Ackerbau, der Wohlstand bringt,

sofern das Klima gut gelingt,

macht den Urmenschen indessen

allmählich nach und nach vergessen,

obwohl der Urmensch ganz verdeckt,

noch in manchen Menschen steckt,

die im Urtrieb daran hängen

andere zur Pflicht zu drängen

und andere beherrschen wollen.

Der Häuptling sieht sein Recht im Grollen,

während er sich dabei eilt

und Pflichten rings herum verteilt.

Der Häuptling bleibt ein Kontrolleur, 

im entwickelten Malheur, 

und er sorgt, in der Session,

für seinen reichen Spitzenlohn.

H. Feisel

 

 

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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