Freitag, 8. januar 2010 5 08 /01 /2010 10:46

Spieß.

 

Der Urmensch hat den Spieß erfunden. Er quälte sich oft viele Stunden,

auf dem ziemlich groben Land, bevor er seinen Speer erfand.

Der harte Stein, als spitze Schneide, bohrt sich bis ins Eingeweide,

hat der Urmensch einst gedacht und einen Speer daraus gemacht.

Er bastelte am Speer herum, vor neugierigem Publikum

und kam schließlich auf den Dreh. Das tat dann der Tierwelt weh

und den Feinden, den verfluchten, die immer was zu fressen suchten,

als so genannte Kannibalen, ohne dafür zu bezahlen.

Den Stein verlängert er mit Stiel. Dann kam die Wurftechnik ins Spiel

und mit dem Spieß, den er laut lobte und lange Zeit nur zaghaft probte,

wie er am besten werfen kann, gelang es ihm dann irgendwann

zum großen Jäger aufzusteigen und er tat sich erfolgreich zeigen.

 

Die Kannibalen abzuwehren das war damals sein Begehren,

mit dem Spieß in seiner Hand. Den Gegner streckt er in den Sand

und den hielt er schließlich ganz überlegen auf Distanz.

Dann hört der Urmensch im Bestreben endlich einmal auf zu leben

und kam allmählich, mit Methode, schließlich völlig aus der Mode.

Nach erfahrungsreichen Stunden wird der Söldner dann erfunden.

Mit einem neuen Spieß aus Eisen muss sich der im Kampf beweisen,

wobei jedoch im Krieg dann prompt der Gegner auch mit Spießen kommt.

Der Spieß bohrt sich in Bauch und Brust und den es trifft verliert die Lust

im Kampfgetümmel viel zu geben. In der Art kämpft man um das Leben

und man muss um sein Leben kämpfen und die Lust vom Gegner dämpfen,

nicht zuletzt auch mit dem Spieß, bis den die Kampfmoral verließ.

 

Die Kampfmoral verliert sich wieder, durch die allzu schweren Glieder,

und damit enden Heldentaten, bei der Erschöpfung der Soldaten,

von dem Ritter ganz zu schweigen. Der tut sich nicht gern offen zeigen

und versteckt sich in dem Panzer, im Gegensatz zum leichten Lanzer.

Der Landsknecht trägt dabei die ganze mitunter hinderliche Lanze.

Dann sucht der Landser seine Ehr, in immenser Gegenwehr.

Der Urmensch wurde ausgemustert und der Soldat zurecht geschustert

bei der Übung und im Drill, durch den Spieß den keiner will.

Doch der Spieß ist viel zugegen um Rekruten zu bewegen,

indem er laut, zu mancher Zeit, aus Leibeskräften dabei schreit.

Er schreit dabei, aus voller Kehle, immer ständig die Befehle,

die in mancherlei von Sachen dem Rekrut zu schaffen machen.

 

Dieser wälzt sich tief im Schlamm, klimmt empor am steilen Damm,

macht Klimmzüge und ist erhitzt, während er im Eifer schwitzt,

den der Spieß dabei erzwingt. Was die Übung mit sich bringt,

das ist der unbeliebte Spieß, wie es oft in Sagen hieß.

H. Feisel

 

von Heinrich Feisel - veröffentlicht in: Urmensch
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